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Auf leisen Sohlen Pantherhaft Schleichst du Dich an Packst Plötzlich zu Gewaltsam
Präziser Als des Löwen Pranke Gezielter Könnte Dein Schlag Nicht sein
Raubkatze Schicksal Kraftvolle Stolze Siegerin Genüsslich Verzehrst du Deine Beute Heute Mich

Ich bin ich
Frauen leben in mindestens zwei Welten. In der reellen Familien- und Arbeitswirklichkeit und in ihrer ganz persönlichen Seelensphäre. Von den meisten Männern und von der Gesellschaft als solcher wird nur die eine Realität anerkannt. Dort werden Frauen angesprochen, bestätigt und in einer Rolle fixiert. Als traditionelle oder auch als moderne, als fortschrittliche »Menschin« weiss ich also genau, wer ich sein soll. Ich bin so, wie die Gesellschaft mich geprägt hat, wie ich mich eingepasst habe und formen liess. Ich werde geschätzt, denn ich bin nützlich und garantiere den Fortbestand des Systems. Ich habe diverse Möglichkeiten, doch nur innerhalb des abgesteckten Rahmens.
Wehe dir, wenn du zu neugierig bist, wenn du aufbrichst zu neuen Ufern! Das ist unbequem und unheimlich. Es gehört sich nicht und könnte gefährlich werden. Du wirst zur Bedrohung, sobald du hinter die Fassade kletterst. Das verunsichert! Was willst du dort entdecken? Alles Hirngespinste, allenfalls mit weiblichen Hormonumstellungen erklärbar, das wird sich hoffentlich bald wieder legen. Du musst doch wieder zur Vernunft kommen! Ich bin verunsichert, plötzlich weiss ich nichts mehr. Wer bin ich eigentlich? Welche könnte ich sein? Manchmal nährt mich Stille; häufig bereichern mich Farben und Bilder, erfüllen mich Töne. Im schlimmsten Fall legt mich mein Körper lahm, damit ich höre. Tief in mir sprudelt eine Quelle; ich spüre es, da ist noch mehr. Alles ist anders als ich dachte und man mich lehrte. Es schwingt in mir, meine Seele tanzt und singt vor Freude ob jedem gewonnenen Raum. Die einen nennen es Träume. Ich weiss, dieses Innere ist wirklich.
Im Garten erscheint ein mächtiger Adler. Er schreitet auf mich zu. Ich staune und erschrecke zugleich. Ich weiss nicht, soll ich mich vor ihm fürchten oder ist er mir freundlich gesinnt. Ich ziehe mich ins Haus zurück, lasse aber die Türe eine Spalte offen. Er kommt näher. Sein spitzer Schnabel und seine würdevolle Haltung beein- drucken mich. Er schaut mich eindringlich an. Sein braungesprenkeltes Federkleid wirkt warm und weich. Ich bemerke, dass sein Körper hinten die Form eines Schafes hat, aber auch mit Federn bedeckt ist. Was will er mir sagen? Er streckt den Kopf zur Türöffnung herein. Ich füttere ihn mit rohem Fleisch.
Wer bin ich, dass ich im Traum Adler und Schaf in mir vereine? Gegensätzlicher könnten die beiden Symbole kaum sein. Das Schaf lebt bescheiden und friedfertig in der Herde. Für den Menschen ist es ein domestiziertes Nutztier, das ihm Milch und Wolle, Nahrung und Wärme spendet. Generationen von Frauen führten ein Schattendasein, lebten nur Schafqualitäten. Sie waren liebende Mütter, treue Gattinnen, vermittelnde Tanten und hilfsbereite Omas. Sie garantierten das Funktionieren der Gemeinschaft, manche opferten sich auf – wurden buchstäblich zum Opferlamm. Die Rolle des Adlers fiel ihren Männern zu. Der stolze, wachsame, blitzschnell agierende Raubvogel, der in seinem Horst thronende Einzelgänger, der hochfliegende und weitblickende König der Lüfte. Im Traum gelingt es mir, diese beiden unterschiedlichen Tendenzen zu einem Ganzen zu verweben. Der Adler in mir soll warmherzig und fürsorglich bleiben, das Schaf in mir will fliegen lernen. Dann bin ich wirklich ich.
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